Deß Herrn Begräbnis

von Andreas Gryphius

Als der betrübte Tag zu Ende kommen,
In dem das Licht der Welt von vns genommen,
Bekümmert sich ein Frommer auß den Reichen
Vmb Jesus Leichen.

Der gutte Rath dem nie der Rath beliebet,
Krafft dessen man diß Frevelstück verübet,
Lässt Scham vnd Furcht, vnd wil ohn ferner zagen
Den Anschlag wagen.

Er bittet daß Pilatus Ihm vergönne,
Daß man den Leib vom Creutz abnehmen könne,
Der gantz bestürtzt, durch sein Geschwind erblassen
sich lencken lassen.

Weil Joseph nun nach Leichen-Tüchern sihet,
Hat sich der Mann vmb Specerey bemühet,
Der vorhin bey geheimer Nächte Stunden
Jesum gefunden.

Nun bringt Er Myhrr' vnd Aloe zu salben,
Bey hundert Pfund getreuer Freundschafft halben,
Sie wollen beyd' auß Gunst nach allen Stücken,
den Leib beschicken.

Der legt beträhnt die halb' erstarten Glieder,
Die Jener salbt, auff reine Leinwand nieder
Der hilfft in Myhrr' vnd vnbefleckte Binden
Den Cörper winden.

Nah an dem Ort, an welchem sich das Leben,
Für vnser Heyl ins Creutzes Tod gegeben,
War Josephs Grab, das im begrünnten Garten
solt auff Ihn warten.

Ein neues Grab sehr köstlich anzuschauen,
In einen Fels durch harten Stahl gehauen,
Daß keine Leich vorhin hat angestecket,
kein Stanck beflecket.

In dieses wird der Erden Fürst getragen,
Weil Fest' vnd Nacht bequemer Ruh' abschlagen,
Sie lassen sich auch keine Müh verdrüssen,
die Grufft zu schlissen.

In dem der Stein wird vor das Grab geweltzet,
Steht Magdalen, die fast in Thränen schmeltzet,
Die Jungfrau selbst, die Jesum hat verlohren
den Sie geboren.

Die Frauen stehn, die Ihn bißher begleitet,
Vnd sehn wie sein Ruhbette wird bereitet,
Biß sie die Sabbats-Nacht die einher dringet
Nach Hause zwinget.

Der Priester Haß kan doch nicht ende machen,
Man schickt nach Volck, man lässt das Grab bewachen:
Vnd muß (ob Schwerdter schon den Platz verriegeln.)
den Stein besiegeln.

Der du zu Ruh dich nach der Angst begeben,
Laß meine Seel, durch dich in Ruhe schweben,
Wann man diß Fleisch nach überstandnen Plagen
Ins Grab wird tragen!